Künstliche Intelligenz · Gen Z
Jugendforscher nennt die Gen Z eine „lost generation“: KI und die politische Zeitbombe
Die KI-Umbrüche am Arbeitsmarkt treffen junge Menschen massiv, sagt Jugendforscher Mathias Albert: Die Gen Z werde zur „lost generation“. Er warnt vor einer politischen Zeitbombe – während eine Analyse zeigt, dass Junganwälte trotz KI gefragter sind denn je.
Berlin, 27. August 2026 – „Die Gen Z ist zunehmend nicht mehr nur verunsichert, sondern auch perspektivlos. Ich würde sogar so weit gehen, sie als ‚lost generation‘ zu bezeichnen.“ Mit diesen Worten beschreibt der Jugendforscher Mathias Albert die Lage einer Generation, die bereits mehrere Umbrüche erlebt hat: die Pandemie, den Ukrainekrieg, und nun einen Arbeitsmarkt, der von KI auf den Kopf gestellt wird.^[Handelsblatt – Arbeitsmarkt: Jugendforscher Albert: „Ich würde die Gen Z als ‚lost generation' bezeichnen“ – url: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/gen-z-anstieg-an-apathie-polarisierung-und-perspektivlosigkeit/100248264.html]
Wer am wenigsten zu fürchten hat
So düster die Lage klingt, so differenziert fällt Alberts Einschätzung aus: Eine generationsweite kollektive Depression habe sich nicht durchgesetzt, und noch wisse niemand, wie sich der Arbeitsmarkt mit KI wirklich entwickle. Wer sich momentan am wenigsten Gedanken machen müsse, seien diejenigen mit mittleren Bildungsabschlüssen und Handwerksausbildung – „denn die KI wird so schnell kein Dach decken und keinen Wasserhahn reparieren“. Was man bei anderen jungen Menschen sehe, biete „durchaus Anlass zur Sorge“.^[Handelsblatt – Arbeitsmarkt: Jugendforscher Albert: „Ich würde die Gen Z als ‚lost generation' bezeichnen“ – url: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/gen-z-anstieg-an-apathie-polarisierung-und-perspektivlosigkeit/100248264.html]
Eine politische Zeitbombe
Albert warnt ausdrücklich vor den politischen Folgen: Die KI-Umbrüche am Arbeitsmarkt träfen junge Menschen massiv, die Perspektivlosigkeit könne sich in Apathie, Polarisierung und Politikverdrossenheit entladen – und letztlich zu noch mehr Aufwind für die AfD führen.^[Handelsblatt – Arbeitsmarkt: Jugendforscher Albert: „Ich würde die Gen Z als ‚lost generation' bezeichnen“ – url: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/gen-z-anstieg-an-apathie-polarisierung-und-perspektivlosigkeit/100248264.html] Die Zahlen untermauern die Sorge: Die August-Ausgabe der Stanford-Studie „Canaries in the Coal Mine?“ zeigt, dass die Beschäftigung von 22- bis 25-Jährigen in KI-exponierten Berufen inzwischen 19 Prozent unter der ihrer Altersgenossen in weniger betroffenen Feldern liegt – und dass sich die Einstiegsrampe in den Arbeitsmarkt leise schließt, während Ältere kaum betroffen sind.^[AI is hitting entry-level jobs hardest, Stanford study finds – url: https://arstechnica.com/ai/2026/08/ai-is-hitting-entry-level-jobs-hardest-stanford-study-finds/] Wir haben die Studie hier ausführlich eingeordnet: Die schrumpfende Einstiegsrampe.
Die andere Seite: Junganwälte trotz KI gefragt
Doch das Bild ist nicht einseitig: Eine Analyse des Thomson Reuters Institute zeigt, dass US-Kanzleien im Jahr 2026 maßgeblich von der Produktivität der Anwälte unterhalb der Partnerebene profitieren – ausgerechnet während die Ausgaben für KI-Lizenzen auf ein Rekordniveau gestiegen sind. Die Auslastung jüngerer Anwälte stieg um 4,3 Prozent, die von Anwälten mit mehreren Jahren Berufserfahrung um sechs Prozent; die generierten Honorare der Associates gelten als „Motor der Rentabilität“. Von einem Ersatz der Junganwälte durch KI kann keine Rede sein: Viele Kanzleien heben ihre Stundensätze an, um die langfristigen Kosten für KI-Anwendungen auszugleichen.^[F.A.Z. – Kanzleimarkt: Junganwälte gewinnen an Bedeutung – trotz KI – url: https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/buero-co/junganwaelte-in-us-kanzleien-analyse-von-thomson-reuters-201156985.html] Die Zahl der Jura-Absolventen an US-Universitäten stieg auf knapp 39.000 – die höchste Zahl seit 2015.^[F.A.Z. – Kanzleimarkt: Junganwälte gewinnen an Bedeutung – trotz KI – url: https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/buero-co/junganwaelte-in-us-kanzleien-analyse-von-thomson-reuters-201156985.html]
Was die Zukunft bringt
Die widersprüchlichen Signale zeigen: Der KI-Wandel verteilt Chancen und Risiken höchst ungleich – zwischen Berufen, zwischen Qualifikationsstufen und zwischen Generationen. Die Frage, ob die Gen Z tatsächlich zur „verlorenen Generation“ wird, entscheidet sich nicht in den Laboren der KI-Unternehmen, sondern dort, wo Politik, Wirtschaft und Bildung aufeinandertreffen. Alberts Warnung ist in dieser Lesart vor allem ein Appell: Wer die Perspektivlosigkeit der Jungen ignoriert, riskiert mehr als nur einen Fachkräftemangel.